{"id":53,"date":"2024-01-25T00:25:41","date_gmt":"2024-01-24T23:25:41","guid":{"rendered":"https:\/\/sak.uber.space\/?p=53"},"modified":"2024-02-15T16:29:40","modified_gmt":"2024-02-15T15:29:40","slug":"aegyptische-artefakte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sak.uber.space\/?p=53","title":{"rendered":"\u00c4gyptische Artefakte"},"content":{"rendered":"\n<p>In den 70er Jahren war Wolfgang Kosack als junger Mann in \u00c4gypten an Ausgrabungen beteiligt. Dabei war er auch als Gutachter t\u00e4tig, unter anderem f\u00fcr die Deutsche Botschaft, der damals gelegentlich Altert\u00fcmer zum Kauf angeboten wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>So wurde er gebeten, die Sammlung eines wohlhabenden \u00c4gypters zu sch\u00e4tzen, die zum Verkauf stand, und an der die Botschaft interessiert war. Wolfgang und ein Vertreter der Botschaft wurden in eine Villa eingeladen: Die von oben bis unten vollgestopft war mit scheinbar antiken Skulpturen und anderen Exponaten: Jedoch durchweg F\u00e4lschungen oder billiger Tinnef. Das teilte Wolfgang Kosack dem Botschafter mit; dem stolzen Sammler dagegen sagte er, dass diese Sammlung sehr sch\u00f6n, doch auch sehr umfangreich sei, und die Botschaft daher vom Erwerb dieses Schatzes absehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas interessantes hatte der wohlhabende \u00c4gypters aber doch vorzuweisen: Eine Kiste mit koptischen Handschriften, die tats\u00e4chlich echt und recht selten waren. Die kaufte die Botschaft; alle hatten das Gesicht gewahrt, der deutsche Staat hat viel Geld gespart und dabei wertvolle Handschriften f\u00fcr die heimische Sammlung erworben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wolfgang Kosack jedoch war nicht ganz gl\u00fccklich, da er nur 24 Stunden Zeit hatte, um die Texte zu sichten und f\u00fcr seinen eigenen Bedarf zu transkribieren: Viel zu wenig Zeit, um den Inhalt vollst\u00e4ndig zu erfassen, da die Sammlung am n\u00e4chsten Tag schon nach Deutschland geflogen wurde, und er sie nie wiedergesehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Gesp\u00fcr f\u00fcr Echtes und Unechtes sprach sich in Fachkreisen herum: So klopfte es eines Nachts an seiner Hotelt\u00fcr, ein \u00c4gypter kam herein und fragte ihn, ob er als Experte f\u00fcr \u00e4gyptische Altert\u00fcmer sich ein kostbares Objekt anschauen wolle; er wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann f\u00fchrte ihn durch finstere Gassen zu einer alten Scheune, in der einige M\u00e4nner um ein gro\u00dfes Relief standen. Sie lie\u00dfen ihn an das Objekt herantreten, das eine F\u00e4lschung war. Wolfgang sagte zu den M\u00e4nnern: \u201eDas ist eine sehr gut gemachte und sch\u00f6ne Arbeit!\u201c Einer von ihnen trat hervor und verk\u00fcndete stolz: \u201eIch habe das gemacht.\u201c Der Mann wollte von Wolfgang wissen, woran er F\u00e4lschungen erkennen kann; und so fachsimpelten sie eine Weile \u00fcber Formen, Perspektiven, Hieroglyphen und Abbruchkanten. Am Ende der Unterhaltung bekam Wolfgang einen Knopf geschenkt. Nur einen Knopf &#8230; aber immerhin einen echten Knopf aus der Zeit der Pharaonen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer der Ausgrabungen, an denen Wolfgang beteiligt war, entdeckte er am Handgelenk eines mumifizierten, abgerissenen Armes, ein komplett erhaltenes Perlenarmband. Da die Schnur verwittert war, goss er die Perlen in Wachs ein und setzte sie sp\u00e4ter wieder zusammen. So konnten nicht nur die Perlen erhalten bleiben, sondern auch ihr Muster. Er fragte den Ausgrabungsleiter, was mit dem Schmuckst\u00fcck passieren sollte: Dieser interessierte sich mehr f\u00fcr komplette Mumien und schenkte Wolfgang das Armband als Erinnerungsst\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Er arbeitete auch f\u00fcr \u00c4gyptische Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler. Dabei wurden ihm z.B. bergeweise kleine Schmuckst\u00fccke vorgelegt, die er nach ihrer Echtheit zu sortieren hatte; bezahlt wurde das mit einigen sch\u00f6nen echten St\u00fccken von dem \u201eguten\u201c H\u00e4ufchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausfuhr solcher Artefakte war fr\u00fcher noch leichter m\u00f6glich, da damals die staatlich anerkannten Arch\u00e4ologen diese als Dankesch\u00f6n oder Andenken an Ihre Mitarbeiter abgeben durften; offiziell gelten diese als Staatsgeschenke.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diese Art und durch sp\u00e4tere Zuk\u00e4ufe aus Antiquariaten und Auktionen kam er zu einer hochkar\u00e4tigen Sammlung \u00e4gyptischer Artefakte, die er bereits vor einiger Zeit dem \u00c4gyptischen Museum Bonn als Studiensammlung \u00fcberlie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Museum in Bonn wurde anderen Museen aus drei Gr\u00fcnden vorgezogen: Erstens hatte Wolfgang dort studiert und kennt das Museum seit seinem Studium, zweitens kommen seine \u00fcber 100 Exponate in dem kleinen Bonner Museum besser zur Geltung als z.B. im Berliner Museum; in solch gro\u00dfer Sammlung w\u00e4ren seine St\u00fccke mehr oder weniger untergegangen. Drittens lebt seine Schwester in der N\u00e4he von Bonn; beide besuchen gern die Bonner Ausstellung, wenn Wolfgang bei ihr zu Gast ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der \u00dcbergabe an das Museum gab es dort eine Sonderausstellung mit dem Titel \u201eNicht nur Nofretete\u201c, zu der ein Katalog unter gleichnamigem Titel erschien, in dem 24 der Artefakte genauer beschrieben wurden. Heute sind Wolfgangs Exponate als Bestandteil der Gesamtausstellung neben etwa 3000 weiteren Ausstellungsst\u00fccken f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich, sie wurden mit dem K\u00fcrzel \u201eKos&#8221; und der Nummer inventarisiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.iak.uni-bonn.de\/de\/museen\/aegyptisches-museum\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den 70er Jahren war Wolfgang Kosack als junger Mann in \u00c4gypten an Ausgrabungen beteiligt. 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