{"id":77,"date":"2024-02-11T17:58:59","date_gmt":"2024-02-11T16:58:59","guid":{"rendered":"https:\/\/sak.uber.space\/?p=77"},"modified":"2024-02-15T16:43:44","modified_gmt":"2024-02-15T15:43:44","slug":"die-exlibris-sammlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sak.uber.space\/?p=77","title":{"rendered":"Die Exlibris Sammlung"},"content":{"rendered":"\n<p>Zu Beginn der 2000er Jahre lernte ich den Historiker und Sprachwissenschaftler Dr. Wolfgang Kosack kennen. Als wir uns kennenlernten, lie\u00df er mich zun\u00e4chst Inhalte des Laotse interpretieren, die er gerade \u00fcbersetzt hatte \u2013 was mir anscheinend gelungen war; jedenfalls weihte er mich nach und nach in die Geheimnisse seiner sehr umfangreichen Privatbibliothek und diversen Kunstsammlungen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Darunter auch zwei bemerkenswerte Sammlungen, die er mir bei unterschiedlichen Gelegenheiten vorstellte: Zum einen die historischen Fotografien aus \u00c4gypten, und zum anderen zahlreiche Exlibris.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese druckfrischen Exlibris, sonst in B\u00fccher eingeklebte Bucheignerzeichen, sind f\u00fcr sich selbst eigene Miniaturkunstwerke. Die Sammlung umfasst etwa 600 Exemplare aus der Zeit des Jugendstil und des Expressionismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Sammlungen, kombiniert mit Wolfgangs umfangreichem Wissen dar\u00fcber f\u00fchrt direkt zur Entstehungsgeschichte dieser Website.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit ich Wolfgang kenne, erlebe ich, wie er ein Buch nach dem anderen ver\u00f6ffentlichte, darunter ganze Lexika. Bei einigen seiner Werke half ich ihm bei der technischen Umsetzung. Zum Beispiel digitalisierte ich das ben\u00f6tigte Bildmaterial, oder erstellte PDF-Druckvorlagen f\u00fcr den Verlag. <\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal gab es ein Budget, aber tats\u00e4chlich sind Wolfgangs harte W\u00e4hrung seltene B\u00fccher, Kunstgegenst\u00e4nde \u2013 und vor allem seine profunden Kenntnisse, die mir bereits \u00f6fter zupass kamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei kleineren Projekten mit \u00fcberschaubarem Zeit- und Arbeitsaufwand ist das alles kein Problem, aber  sein Verleger plante, \u201eDas W\u00f6rterbuch der \u00c4gyptischen Sprache\u201c neu herauszugeben, zuz\u00fcglich der Erg\u00e4nzungen, die Wolfgang in \u00fcber 40 Jahren handschriftlich zusammengetragen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr hat er sein zehnb\u00e4ndiges Original von einem Buchbinder aufschneiden und zwischen jeder Seite ein Leerblatt einf\u00fcgen lassen. So ist es ihm gelungen, den Umfang der 1960er Ausgabe etwa zu verdoppeln. Wolfgangs Version gilt heute als der aktuelle wissenschaftliche Standard und l\u00f6ste das Original im Orientalischen Lesesaal der Staatsbibliothek zu Berlin ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor musste er allerdings seine Erg\u00e4nzungen manuell digitalisieren. Danach sollte eine Originalausgabe an der HUB komplett gescannt und mit den Erg\u00e4nzungen zusammengef\u00fchrt werden. Als er den ersten oder zweiten Band \u00fcbertragen hatte, erz\u00e4hlte er von dem Projekt und fragte, ob ich die technische Umsetzung dieser Mammutunternehmung \u00fcbernehmen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gesch\u00e4tzte Aufwand und mein Kostenvoranschlag fiel entsprechend aus \u2013 zu hoch, angesichts der vorhandenen Mittel. Mir war klar, dass es ein wichtiges Werk werden und er um des Geldes wegen nicht klein beigeben w\u00fcrde. Er ist ein gerissener Fuchs, der es mit jedem arabischen Basarh\u00e4ndler aufnehmen kann; und er w\u00fcrde sicherlich einen Weg finden.<\/p>\n\n\n\n<p>So fragte ich ihn nach seiner Exlibris- und historischen Fotosammlung, die ich zwar nicht vollst\u00e4ndig kannte, aber ungef\u00e4hr einsch\u00e4tzen konnte. Er war daf\u00fcr, grinste begeistert \u00fcber beide Ohren und begann, sie mir noch schmackhafter zu machen \u2013 wie es auf einem Basar eben \u00fcblich ist, nachdem der H\u00e4ndler erst einmal herausgefunden hat, was der Kunde eigentlich haben will.<\/p>\n\n\n\n<p>Wolfgang \u00fcbertrug seine Erg\u00e4nzungen unerm\u00fcdlich bis zur Ersch\u00f6pfung, und ich erstellte die Druckvorlagen; das ganze Projekt zog sich \u00fcber fast zwei Jahre hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der \u00dcbergabe der Exlibris-Sammlung erwartete mich die erste \u00dcberraschung: Zun\u00e4chst waren es viel mehr, als ich erwartet hatte \u2013 statt 200-300 Exemplaren handelt es sich um etwa 600 St\u00fcck. Auch die Anzahl der prominenten Eigner und Urheber war deutlich h\u00f6her als erwartet, so dass ich beim gemeinsamen Durchgehen der Werke gleich auch noch ein kleines kunsthistorisches Seminar in Jugendstil und Expressionismus erhalten habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den historischen Fotografien aus \u00c4gypten erwartete mich desgleichen: Viel mehr als gesch\u00e4tzt, zahlreiche bekannte Pioniere der Fotografie und viele Motive, die heute nicht mehr existieren. Es handelt sich um \u00fcber tausend originale Albuminbilder aus der Zeit von 1850 bis 1930, sortiert nach den Epochen der \u00e4gyptischen Kultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Sammlungen historisch bedeutender ist, als ich anfangs vermutet hatte, war mir schnell bewusst. Nach einigen Gespr\u00e4chen mit Wolfgang war klar, dass diese Sammlungen, soweit es m\u00f6glich ist, beschrieben und der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert werden sollen; daher \u00e4nderten wir unsere Vereinbarung dahingehend ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir freuen uns, Ihnen diese Sammlungen nach und nach durch Publikationen und Pr\u00e4sentation auf unserer Webseite ausf\u00fchrlicher vorstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn der 2000er Jahre lernte ich den Historiker und Sprachwissenschaftler Dr. Wolfgang Kosack kennen. 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