Zu Beginn der 2000er Jahre lernte ich den Historiker und Sprachwissenschaftler Dr. Wolfgang Kosack kennen. Als wir uns kennenlernten, ließ er mich zunächst Inhalte des Laotse interpretieren, die er gerade übersetzt hatte – was mir anscheinend gelungen war; jedenfalls weihte er mich nach und nach in die Geheimnisse seiner sehr umfangreichen Privatbibliothek und diversen Kunstsammlungen ein.
Darunter auch zwei bemerkenswerte Sammlungen, die er mir bei unterschiedlichen Gelegenheiten vorstellte: Zum einen die historischen Fotografien aus Ägypten, und zum anderen zahlreiche Exlibris.
Diese druckfrischen Exlibris, sonst in Bücher eingeklebte Bucheignerzeichen, sind für sich selbst eigene Miniaturkunstwerke. Die Sammlung umfasst etwa 600 Exemplare aus der Zeit des Jugendstil und des Expressionismus.
Diese Sammlungen, kombiniert mit Wolfgangs umfangreichem Wissen darüber führt direkt zur Entstehungsgeschichte dieser Website.
Seit ich Wolfgang kenne, erlebe ich, wie er ein Buch nach dem anderen veröffentlichte, darunter ganze Lexika. Bei einigen seiner Werke half ich ihm bei der technischen Umsetzung. Zum Beispiel digitalisierte ich das benötigte Bildmaterial, oder erstellte PDF-Druckvorlagen für den Verlag.
Manchmal gab es ein Budget, aber tatsächlich sind Wolfgangs harte Währung seltene Bücher, Kunstgegenstände – und vor allem seine profunden Kenntnisse, die mir bereits öfter zupass kamen.
Bei kleineren Projekten mit überschaubarem Zeit- und Arbeitsaufwand ist das alles kein Problem, aber sein Verleger plante, „Das Wörterbuch der Ägyptischen Sprache“ neu herauszugeben, zuzüglich der Ergänzungen, die Wolfgang in über 40 Jahren handschriftlich zusammengetragen hatte.
Dafür hat er sein zehnbändiges Original von einem Buchbinder aufschneiden und zwischen jeder Seite ein Leerblatt einfügen lassen. So ist es ihm gelungen, den Umfang der 1960er Ausgabe etwa zu verdoppeln. Wolfgangs Version gilt heute als der aktuelle wissenschaftliche Standard und löste das Original im Orientalischen Lesesaal der Staatsbibliothek zu Berlin ab.
Zuvor musste er allerdings seine Ergänzungen manuell digitalisieren. Danach sollte eine Originalausgabe an der HUB komplett gescannt und mit den Ergänzungen zusammengeführt werden. Als er den ersten oder zweiten Band übertragen hatte, erzählte er von dem Projekt und fragte, ob ich die technische Umsetzung dieser Mammutunternehmung übernehmen würde.
Der geschätzte Aufwand und mein Kostenvoranschlag fiel entsprechend aus – zu hoch, angesichts der vorhandenen Mittel. Mir war klar, dass es ein wichtiges Werk werden und er um des Geldes wegen nicht klein beigeben würde. Er ist ein gerissener Fuchs, der es mit jedem arabischen Basarhändler aufnehmen kann; und er würde sicherlich einen Weg finden.
So fragte ich ihn nach seiner Exlibris- und historischen Fotosammlung, die ich zwar nicht vollständig kannte, aber ungefähr einschätzen konnte. Er war dafür, grinste begeistert über beide Ohren und begann, sie mir noch schmackhafter zu machen – wie es auf einem Basar eben üblich ist, nachdem der Händler erst einmal herausgefunden hat, was der Kunde eigentlich haben will.
Wolfgang übertrug seine Ergänzungen unermüdlich bis zur Erschöpfung, und ich erstellte die Druckvorlagen; das ganze Projekt zog sich über fast zwei Jahre hin.
Bei der Übergabe der Exlibris-Sammlung erwartete mich die erste Überraschung: Zunächst waren es viel mehr, als ich erwartet hatte – statt 200-300 Exemplaren handelt es sich um etwa 600 Stück. Auch die Anzahl der prominenten Eigner und Urheber war deutlich höher als erwartet, so dass ich beim gemeinsamen Durchgehen der Werke gleich auch noch ein kleines kunsthistorisches Seminar in Jugendstil und Expressionismus erhalten habe.
Bei den historischen Fotografien aus Ägypten erwartete mich desgleichen: Viel mehr als geschätzt, zahlreiche bekannte Pioniere der Fotografie und viele Motive, die heute nicht mehr existieren. Es handelt sich um über tausend originale Albuminbilder aus der Zeit von 1850 bis 1930, sortiert nach den Epochen der ägyptischen Kultur.
Dass die Sammlungen historisch bedeutender ist, als ich anfangs vermutet hatte, war mir schnell bewusst. Nach einigen Gesprächen mit Wolfgang war klar, dass diese Sammlungen, soweit es möglich ist, beschrieben und der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen; daher änderten wir unsere Vereinbarung dahingehend ab.
Wir freuen uns, Ihnen diese Sammlungen nach und nach durch Publikationen und Präsentation auf unserer Webseite ausführlicher vorstellen zu können.
