Die Bibliothek ist das Kernstück der Sammlung Kosack und ist Wolfgangs wichtigstes Arbeitswerkzeug. Sie umfasst neben den Fachabteilungen für Ägyptisch, Koptisch und Arabisch auch zahlreiche weitere Themengebiete der Kunst- und Kulturgeschichte, darunter zahlreiche Bände mit Jugendstil-Illustrationen.
Nach seinem Tod sollte Wolfgangs Privatbibliothek komplett der Bibliothek der Humboldt-Universität (HUB) übergeben werden. Als Wolfgangs Anwälte wissen wollten, ob die HUB überhaupt Interesse an der Bibliothek hat, sollte ich Kontakt zu den Verantwortlichen aufnehmen, denn es wäre heutzutage nicht mehr selbstverständlich, dass sich diese Institutionen für solche Nachlässe begeistern.
Ich kontaktierte die HUB und es kamen gleich vier Experten, zwei Vertreter der Bibliothek und zwei Professoren von der Ägyptologischen Fakultät. Sie bestätigten, dass sie Nachlässen eher ablehnend gegenüberstehen – aber in diesem Fall waren sie dann doch sehr neugierig. Zuvor wollten sie noch wissen, ob die Bibliothek als ganzes erhalten bleiben muss. Nachdem Wolfgang dies verneinte, entspannte sich die Situation und wir erzählten von unseren Plänen, die wohlwollend zur Kenntnis genommen wurden.
Schließlich besichtigten wir die Bücher. Ich habe an diesem Tag zum ersten Mal einen Professor gesehen, der gestrahlt hat wie ein kleiner Junge im Süßigkeitengeschäft: „…das Projekt ist auf jeden Fall förderungswürdig…“ sprach er, und stöberte weiter in den Büchern.
Heraus kam am Ende, dass die historisch wertvollen Teile der Ägyptischen Sammlung in den Bestand der HUB aufgenommen werden sollen, und dass dabei anfallende Dubletten direkt von der Fakultät genutzt werden können.
Die Bücher werden, wie bei den orientalischen Handschriften, mit einer Signatur inventarisiert. Außerdem sollen sie mit einem Exlibris der Sammlung Kosack versehen werden. Noch aber lebt und arbeitet Wolfgang mit seiner Sammlung, und vor einer endgültigen Übergabe soll eine Auswahl der Bücher digitalisiert und hier vorab publiziert werden.
Einnahmen daraus und aus dem Verkauf von Reproduktionen, die unter dem Label „Aus der Sammlung Kosack“ vertrieben werden, unterstützen weitere Digitalisierungsprojekte und Publikationen.
