In den 70er Jahren war Wolfgang Kosack als junger Mann in Ägypten an Ausgrabungen beteiligt. Dabei war er auch als Gutachter tätig, unter anderem für die Deutsche Botschaft, der damals gelegentlich Altertümer zum Kauf angeboten wurden.
So wurde er gebeten, die Sammlung eines wohlhabenden Ägypters zu schätzen, die zum Verkauf stand, und an der die Botschaft interessiert war. Wolfgang und ein Vertreter der Botschaft wurden in eine Villa eingeladen: Die von oben bis unten vollgestopft war mit scheinbar antiken Skulpturen und anderen Exponaten: Jedoch durchweg Fälschungen oder billiger Tinnef. Das teilte Wolfgang Kosack dem Botschafter mit; dem stolzen Sammler dagegen sagte er, dass diese Sammlung sehr schön, doch auch sehr umfangreich sei, und die Botschaft daher vom Erwerb dieses Schatzes absehe.
Etwas interessantes hatte der wohlhabende Ägypters aber doch vorzuweisen: Eine Kiste mit koptischen Handschriften, die tatsächlich echt und recht selten waren. Die kaufte die Botschaft; alle hatten das Gesicht gewahrt, der deutsche Staat hat viel Geld gespart und dabei wertvolle Handschriften für die heimische Sammlung erworben.
Wolfgang Kosack jedoch war nicht ganz glücklich, da er nur 24 Stunden Zeit hatte, um die Texte zu sichten und für seinen eigenen Bedarf zu transkribieren: Viel zu wenig Zeit, um den Inhalt vollständig zu erfassen, da die Sammlung am nächsten Tag schon nach Deutschland geflogen wurde, und er sie nie wiedergesehen hat.
Sein Gespür für Echtes und Unechtes sprach sich in Fachkreisen herum: So klopfte es eines Nachts an seiner Hoteltür, ein Ägypter kam herein und fragte ihn, ob er als Experte für ägyptische Altertümer sich ein kostbares Objekt anschauen wolle; er wollte.
Der Mann führte ihn durch finstere Gassen zu einer alten Scheune, in der einige Männer um ein großes Relief standen. Sie ließen ihn an das Objekt herantreten, das eine Fälschung war. Wolfgang sagte zu den Männern: „Das ist eine sehr gut gemachte und schöne Arbeit!“ Einer von ihnen trat hervor und verkündete stolz: „Ich habe das gemacht.“ Der Mann wollte von Wolfgang wissen, woran er Fälschungen erkennen kann; und so fachsimpelten sie eine Weile über Formen, Perspektiven, Hieroglyphen und Abbruchkanten. Am Ende der Unterhaltung bekam Wolfgang einen Knopf geschenkt. Nur einen Knopf … aber immerhin einen echten Knopf aus der Zeit der Pharaonen.
Bei einer der Ausgrabungen, an denen Wolfgang beteiligt war, entdeckte er am Handgelenk eines mumifizierten, abgerissenen Armes, ein komplett erhaltenes Perlenarmband. Da die Schnur verwittert war, goss er die Perlen in Wachs ein und setzte sie später wieder zusammen. So konnten nicht nur die Perlen erhalten bleiben, sondern auch ihr Muster. Er fragte den Ausgrabungsleiter, was mit dem Schmuckstück passieren sollte: Dieser interessierte sich mehr für komplette Mumien und schenkte Wolfgang das Armband als Erinnerungsstück.
Er arbeitete auch für Ägyptische Antiquitätenhändler. Dabei wurden ihm z.B. bergeweise kleine Schmuckstücke vorgelegt, die er nach ihrer Echtheit zu sortieren hatte; bezahlt wurde das mit einigen schönen echten Stücken von dem „guten“ Häufchen.
Die Ausfuhr solcher Artefakte war früher noch leichter möglich, da damals die staatlich anerkannten Archäologen diese als Dankeschön oder Andenken an Ihre Mitarbeiter abgeben durften; offiziell gelten diese als Staatsgeschenke.
Auf diese Art und durch spätere Zukäufe aus Antiquariaten und Auktionen kam er zu einer hochkarätigen Sammlung ägyptischer Artefakte, die er bereits vor einiger Zeit dem Ägyptischen Museum Bonn als Studiensammlung überließ.
Das Museum in Bonn wurde anderen Museen aus drei Gründen vorgezogen: Erstens hatte Wolfgang dort studiert und kennt das Museum seit seinem Studium, zweitens kommen seine über 100 Exponate in dem kleinen Bonner Museum besser zur Geltung als z.B. im Berliner Museum; in solch großer Sammlung wären seine Stücke mehr oder weniger untergegangen. Drittens lebt seine Schwester in der Nähe von Bonn; beide besuchen gern die Bonner Ausstellung, wenn Wolfgang bei ihr zu Gast ist.
Nach der Übergabe an das Museum gab es dort eine Sonderausstellung mit dem Titel „Nicht nur Nofretete“, zu der ein Katalog unter gleichnamigem Titel erschien, in dem 24 der Artefakte genauer beschrieben wurden. Heute sind Wolfgangs Exponate als Bestandteil der Gesamtausstellung neben etwa 3000 weiteren Ausstellungsstücken für jedermann zugänglich, sie wurden mit dem Kürzel „Kos” und der Nummer inventarisiert.

